Ich sammle seit meinem siebten Lebensjahr Musik

Ich sammle seit meinem siebten Lebensjahr Musik

Wenn ich an die glücklichen Augenblicke meiner Kindheit zurückdenke, dann haben sie in irgendeiner Form so gut wie immer mit Musik zu tun. In den 1970er und 1980er Jahren spielten wir unsere Musik auf dem Kassettenrecorder. Es gab 60er Kassetten und 90er Kassetten. Wie oft saß ich vor dem Radio und lauerte auf den richtigen Moment, um die Aufnahmetaste oder die Pausentaste an meinem Rekorder zu drücken.
Der Musikgenuss war damals geprägt von zeitaufwändigem vor- und zurückspulen. Das Medium erlaubte einem ja nicht, ein bestimmtes Musikstück gezielt anzusteuern. Man musste sich durch das Band bis zur richtigen Stelle spulen. Bei etwas älteren Kassettenrekordern kam es häufiger zu „Bandsalat“. Dann musste man endlos lang mit einem Bleistift versuchen, die Spulen der Kassette so zu drehen, dass das Band wieder aufgerollt wurde. Meist war die Mühe vergeblich.

Die Raubkopien der 1980er Jahre

Wie sehr beneidete ich damals jene Glücklichen, die sich Vinylschallplatten leisten konnten. Schallplatten hatten den großen Vorteil, dass man Musikstücke gezielt ansteuern konnte. Außerdem gab es kein Band, das sich verwickeln oder reißen konnte. Für mich waren Schallplatten allerdings unerreichbar, weil viel zu teuer. Also bin ich mit meinem Kassettenrekorder zu jenen glücklichen Freunden gefahren, die Schallplatten ihr Eigen nannten. Dann haben wir uns hingesetzt und die Platten auf Kassette aufgenommen. Das war nicht wie heute ein einfacher Mausklick. Es handelte sich um 1:1 Kopien, das heißt, das Kopieren dauerte exakt so lange wie das Musikstück.

Musik auf dem Rückweg ins Universum

Die CD war dann ein wunderbarer technischer Fortschritt. CDs ließen sich schneller kopieren und für das gezielte Ansteuern eines Musikstückes musste man keinen Schallplattentonkopf halbwegs sicher auf der Platte platzieren. Allerdings zerkratzten sie ziemlich schnell und waren nicht mehr brauchbar.

Heute hören sich die technischen Möglichkeiten meiner Kindheit und Jugend, Musik zu sammeln, anachronistisch an. Mit MP3 und wav kann man Musik in Unmengen sammeln. Viele speichern ihre Musiksammlung überhaupt nicht mehr auf ihrem Computer oder dem MP3-Player sondern in der Cloud. Von dort findet die Musik eventuell ihren Weg ins Universum, von wo sie auch gekommen ist.


Hans Endmaya ist Gründer des Yi-Sinnhelden-Zentrums und Finder des Yi-8ermodells

 

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